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Fassaden ökologisch verkleiden – welche Möglichkeiten gibt es?

Fassaden-Mix

Wenn eine Hausfassade neu zu verkleiden ist, müssen verschiedene Kriterien Beachtung finden. Ganz besonders, wenn die Aufgabenstellung lautet, diese Arbeiten ökologisch verträglich durchzuführen. Während für viele stets nur der Preis einer Fassadenrenovierung eine Rolle spielt, setzen andere auf ökologische Aspekte, die mit in die neue Optik einfließen sollen.

Heute gibt es erfreulicherweise viele Möglichkeiten, eine Fassade ökologisch zu verkleiden. Selbst verputzte Fassaden können je nach Zusammensetzung des Putzes und in Kombination mit der richtigen Wärmedämmung ökologisch sinnvoll sein. Neben dem Klassiker machen aber auch Klinker, Holz, Platten und ganz besonders Photovoltaik-Anlagen eine gute „grüne“ Figur.

Fassade aus Holz

Fassaden aus Holz: Die natürlichste Variante

Die Holzfassade ist wohl die natürlichste Hausverkleidung, die uns die Natur zur Verfügung stellt. Jedoch ist die Anbringung und Pflege aufwendig und somit für den Hauseigentümer nicht zu unterschätzen. Holz als Fassadenverkleidung wirkt – gerade in ländlichen Gegenden – naturverbunden und hat deshalb Charme. In eher städtischen Gebieten erscheinen Verkleidungen aus Holz, beispielsweise für einen quadratischen Anbau stylish und modern. Denn eine Fassade aus Holz lässt sich sehr gut mit moderner Architektur kombinieren und garantiert Natürlichkeit und Wärme.

Das Naturmaterial ist wandlungsfähig – ob für die Fassadenverkleidung oder bei der Innenraumgestaltung – den nachwachsenden Rohstoff können Sie im Hausbau außen wie innen vielfältig einsetzen. Holz passt einfach immer, im Landhaus-Stil genauso wie im Bauhaus- oder minimalistischen Stil. Ein weiteres großes Plus: die Möglichkeit der Vorfertigung. Hinsichtlich der Fertigungstechniken und computergestützten Produktionsprozesse hat sich viel getan und das spiegelt sich in der hohen Qualität der Produkte. Weil die Holzelemente passgenau gefertigt werden, reduzieren sich zudem der Montageaufwand und die Bauzeit erheblich.

Entscheiden Sie sich für eine Holzfassade, sollten Sie jedoch einiges beachten:

  • Ganz wichtig ist es, genügend Abstand zwischen der Dämmung und den außen liegenden Holzelementen zu belassen, denn nur so kann ausreichend Luft zirkulieren und für das entsprechende Klima sorgen.
  • Die natürliche Luftzirkulation ist dafür verantwortlich, dass im Inneren des Hauses ein ausgewogenes Raumklima herrscht, sich kein Schimmel bildet oder Stockflecken entstehen können.
  • Holz ist ein natürlicher Baustoff und so verhält sich das Material – bei sach- und fachgerechter Ausführung – auch und bietet den Hausbewohnern ein angenehmes Wohnklima.
Fensterdichtungen

Achtung: Erhöhter Pflegeaufwand

Damit eine Holzfassade immer schön und gepflegt aussieht, braucht es allerdings einen erhöhten Pflegeaufwand. Möchten Sie der silbrigen Patina von unbehandeltem Holz oder abblätternder Farbe vorbeugen, sollten Sie sich mindestens jedes zweite Jahr um einen neuen Anstrich kümmern. Mit der richtigen Pflege kann eine Holzfassade über viele Jahrzehnte ihre Aufgabe erfüllen und dabei blendend aussehen.

Holzarten und Gestaltungsweisen: Die Qual der Wahl

Entscheiden Sie sich für eine Holzfassade, können Sie zwischen mehreren geeigneten Holzarten wählen: die einheimischen Nadelhölzer Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche und Douglasie kommen infrage, aber auch die Laubhölzer Robinie und Kastanie eignen sich für die Fassadenbekleidung. Sind die Außenwände stärker dem Wetter ausgesetzt, empfehlen sich vor allem resistente Holzarten wie Eiche, Rotzeder (Western Red Cedar) oder Mammutbaum (Redwood).

  • Auch bei der Gestaltungsweise können Sie wählen: Schindeln, Profilbretter oder Platten stehen zur Verfügung.
  • Die geeignete Wahl hängt nicht nur von der Gesamtoptik des Hauses ab: Platten wirken großzügig, Profilbretter gibt es in vielen verschiedenen Varianten.
  • Die Ausrichtung (vertikal oder horizontal) sowie die Fugenverarbeitung spielen eine große Rolle für die Ableitung des Wassers und somit für die Haltbarkeit der Fassade.
  • Wegen der Vielfalt der Verarbeitungsweisen lassen Sie sich hier am besten vom Fachbetrieb beraten.
Achten Sie besonders auf Hirnholzflächen. Oben liegende Hirnholzflächen sollten abgedeckt werden. Legen Sie Wert darauf, dass nach unten überstehende Hirnholzenden mit einer Tropfkante ausgestattet sind.

Die Kosten bei Holzfassaden

Die Kosten für eine Holzfassade variieren je nach Verarbeitung und Holzart. Für reine Fassadenverkleidungen, die nur eine Traglattung benötigen, liegen die Preise bei rund fünfzig Euro pro Quadratmeter. Oft wird aber bei Erneuerung der Fassade auch gleichzeitig eine Fassadendämmung notwendig. Hier müssen Sie in jedem Fall mit Kosten jenseits von einhundert Euro, meist sogar jenseits von zweihundert Euro pro Quadratmeter rechnen.

Photovoltaik

Ökologisch wertvoll: Photovoltaik-Platten

Photovoltaik-Panels sind ebenfalls eine praktische, ökologische Möglichkeit, um ein Haus mit einer neuen Fassade zu verkleiden. Hier kann der Hauseigentümer mit diesen Platten gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die optisch ansprechende Verkleidung der Immobilie und die Stromerzeugung für den Eigenbedarf. In Zeiten steigender Strompreise ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Die Photovoltaik-Panels sind nicht nur dann sinnvoll, wenn sie an den sonnenzugewandten Außenwänden montiert sind. Dank moderner Dünnschicht-Module kann sich auch eine Installation an ungünstigeren Wänden lohnen. Denn für die Energiebilanz von Photovoltaik sind zwei Faktoren wichtig: erstens der Einstrahlwinkel der Sonne und zweitens die Art des Moduls.

  • Für die klassische Dach-Photovoltaik werden in der Regel kristalline Solarzellen mit einem entsprechend hohen Wirkungsgrad verwendet.
  • An der Fassade können aber gerade die günstigeren Dünnschicht-Module punkten, die zwar einen geringeren Wirkungsgrad haben, dafür aber viele andere Vorteile bieten.
  • Sie sind leichter, können auch diffuses Licht gut nutzen und sind weniger wärmeempfindlich.
  • Dies bedeutet, dass sie nicht unbedingt hinterlüftet werden müssen, da sich kein Hitzestau bildet.
  • Gerade wenn im Winter die Sonne sehr flach steht, zahlt sich die Verkleidung der Fassade aus.
  • Auch bei der Optik stechen sie die kristallinen Module aus: Gestalterisch haben Sie viele Wahlmöglichkeiten hinsichtlich der Farbe, Oberflächenbehandlungen und Formen.
  • So lassen sie sich perfekt auf das Gebäude abzustimmen.
Planen Sie beim Entwurf des Hauses keine Vorsprünge (wie Dachüberstände) mit ein. Jeder Vorsprung verursacht Schatten und reduziert den Solarertrag.
Moderne Fenster

Klinker: Unschlagbar in der Haltbarkeit

Das Wetter hat hier keine Chance: In einem Aufbau als zweischaliges Mauerwerk mit Kerndämmung und Luftschicht funktioniert der natürliche Luft- und Feuchtigkeitsaustausch bei Klinker sehr gut. Das sorgt für ein gesundes und natürliches Wohnklima und ist deshalb nicht nur im windigen Norden sehr beliebt.

  • Klinker werden aus natürlichen Rohstoffen wie Ton, Lehm oder tonhaltigen Massen hergestellt und sind demzufolge recycelbar.
  • Auch in puncto Haltbarkeit und Pflege macht er eine gute Figur: Die Lebensdauer ist lang und eine Klinkerfassade praktisch wartungsfrei, da sie licht- und farbecht sowie schmutzresistent ist.
  • Gestaltung und Optik lassen viele Optionen offen. Die Farben- und Formenvielfalt ist groß und die Art der Verklinkerung kann in Expertenhand kleine Kunstwerke schaffen.
  • Unabhängig von der Farbe und Struktur wirkt eine Klinkerfassade immer hochwertig und je nach Farb- und Strukturwahl entweder klassisch oder modern.

Ökologisches Manko: Der Energieaufwand für die Herstellung ist relativ hoch.

Fassade weiß

Fassadenplatten: Große Gestaltungsvielfalt

Eine weitere ökologische Möglichkeit der vorgehängten und hinterlüfteten Fassade sind Fassadenplatten aus den verschiedensten Materialien. Eine Alternative zu Holzwerkstoffplatten können beispielsweise Platten aus sogenanntem Wood Plastic Composite (WPC) darstellen. Achten Sie auf die Herkunft, ist die Ökobilanz von WPC gut und das Verbundmaterial aus naturfaserverstärktem Kunststoff kann eine echte Alternative für den ökologischen Hausbau sein. Vor allem Formstabilität, Witterungsbeständigkeit und Wartungsfreiheit sprechen für WPC-Platten.

  • Ebenfalls im Trend liegen sogenannte HPL-Fassadenplatten (Hight-Pressure Laminates).
  • Sie bestehen aus mehreren Schichten harzimprägnierter Zellulosefaserbahnen, die unter Hitze und Druck zusammengepresst werden.
  • Sie sind hart, stabil, bruch- und schlagfest, selbsttragend, hitzebeständig, korrosionsfrei, frost-, hagel- und fäulnissicher.
  • Die Ökobilanz hängt hier stark von der Zusammensetzung ab und kann nicht pauschalisiert werden.

Ein klassisches Erscheinungsbild für die Fassade liefern Natursteinplatten. Sie werden aus Granit, Schiefer, Sandstein oder Quarzit hergestellt und poliert, beflammt oder gebürstet. Je nach Stein ist die Optik sehr individuell. Dank des geringen Energieaufwands für die Gewinnung und Verarbeitung ist die Ökobilanz gut – insofern der Transportweg nicht zu lang ist.

Wir sind gespannt, was uns die Zukunft neben den genannten Materialien bieten wird. Besinnen wir uns wieder auf die alten, natürlichen Baustoffe oder kommen neue, innovative Materialien und Platten auf den Markt, die Immobilien vor Wind und Wetter schützen, für ein gesundes Raumklima sorgen, den Energiebedarf im Haus senken und daneben weitere Vorteile bieten?

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