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Kaminofen nachrüsten

Kaminofen nachrüsten

– ein Erfahrungsbericht

Es regnet. Mal wieder. Ich sitze in unserem Wohnzimmer und frage mich wehmütig, warum wir beim Bau unseres Reihenmittelhauses keinen Kaminofen haben einbauen lassen. Wie heimelig wäre es, jetzt in ein knisterndes Feuer schauen und die behagliche Wärme genießen zu können. Heute müsste ein Ofen wahrscheinlich recht aufwendig nachgerüstet werden. Bisher hat uns das abgeschreckt.

Doch jetzt beschließe ich, alles für unseren Kamin-Wunsch zu tun. So schwierig kann es doch nicht sein! Also begebe ich mich auf die Suche nach einem Kaminfachgeschäft, das nicht nur den Ofen einbaut, sondern auch den Schornstein. Ich persönlich bevorzuge einen Fachbetrieb, der unseren Kaminbau aus einer Hand komplett plant und umsetzt.

Mehr Gemütlichkeit mit einem Kamin

Regeln, Regeln, Regeln

Der Experte rät mir sofort, auch den Schornsteinfeger mit „ins Boot“ zu holen. Denn er muss später den Kamin mit Schornstein abnehmen. Eine falsche Abmessung, und der Kamin darf nicht in Betrieb genommen werden. Das Bundes-Immissionsschutzgesetz gibt viele Regeln vor. Hinzu kommen baurechtliche Dinge, die jedes Bundesland individuell regelt. Deshalb ist es grundsätzlich sinnvoll, den Schornsteinfeger in das Projekt „Kaminofen und Kamin“ von Anfang an einzubinden.

Am geringsten ist der Aufwand, wenn der Edelstahl-Schornstein an der Außenwand bis aufs Dach geführt wird. Dieser ist dann per Kernbohrung mit der Feuerstelle verbunden. Unser Kaminofen soll deshalb an einer Außenwand stehen.

Das Bundes-Immissionsschutzgesetz besagt, dass die Mündung des Schornsteins alle Fenster und Lüftungsöffnungen der Nachbarn im Umkreis von 15 Metern um mindestens einen Meter überragen muss. Schließlich soll der vielleicht entstehende Rauch die Nachbarn nicht belästigen. Das allein ist schon eine Herausforderung, denn Höhen der Fenster und Dachöffnungen der Nachbarn zu ermitteln, ist gar nicht so einfach. Diese Regel muss auch umgesetzt werden, wenn sich das Haus am Hang befindet.

Kaminofen nachrüsten

Der Rat des Schornsteinfegers

Unser Schornsteinfeger schüttelt nachdenklich den Kopf. „Ich rate Ihnen ab.“ Problem: Unser Haus hat ein sehr weit herunter geneigtes Dach. Deshalb haben Kinderzimmer und Co. schon auf der ersten Etage Dachfenster. Knapp unter dem Giebel liegt ein weiteres Zimmer. Das gilt auch für die Nachbarhäuser. Um es einfacher zu sagen: Der Schornstein würde ab Dachrinne fast sechs Meter senkrecht in die Luft ragen. Zur Sicherung ist er am Haus verankert, allerdings nicht an einer Seitenwand, da wir ein Reihenmittelhaus haben. Das ist machbar, aber suboptimal, denn ein Schornstein am Giebel entlang bis zur Dachspitze ist viel geschützter und hat mehr Befestigungspunkte in der Wand. Aber was nicht geht, geht eben nicht.

Die Lösung: anliegender Schornstein

„Können wir den Schornstein am Dach liegend anbauen?“, so habe ich es mal gelesen. „Habe ich noch nie gesehen“, entgegnet unser Schornsteinfeger knapp. „Schließlich muss der Schornstein wirklich gesichert sein.“ Hinzu kommt, dass dieser liegende Schornstein mit Metallelementen am Dach verankert wird. Bei einem Schornsteinbrand könnte also die Hitze über das Metall auf die Holzbalken oder durch die Dachpfannen in den Dachstuhl gelangen. Deshalb ist es wichtig, dass all diese Elemente eine entsprechende baurechtliche Zulassung haben.

anliegender Schornstein

Der Schornsteinfeger rät in unserem Fall zu einem massiven Schornsteinsystem in der Mitte des Hauses. Das verläuft dann aber auch durch alle Hausdecken. Das heißt: Baustelle im ganzen Haus. Keine Option für uns.

Ich bin nicht besonders begeistert und rufe nun wieder unseren potenziellen Kaminbauer an: Er versteht meinen dringenden Kamin-Wunsch und schlägt vor, selbst mit unserem Schornsteinfeger zu sprechen, um nach einer Lösung zu suchen: „Der Schornstein kann so gesichert werden, dass er in keiner Weise instabil ist. Außerdem sind alle Verbindungsstücke baurechtlich zulässig. Das Reinigungssystem für den Schornstein ist kompliziert, aber machbar.“

Bei unserem Haus würde also der Schornstein am Dach liegend montiert und über dem Dachfirst dann einen Meter in die Luft ragen. So werden die 15 Meter Abstand zu den Nachbardachfenstern eingehalten. Kein Problem.

Der Kaminfachmann mailt mir ein paar Beispiele von nachträglich eingebauten Kaminen inklusive Schornsteine. Auch der „angelegte“ Schornstein ist dabei zu sehen. Kosten: circa 4.000 bis 4.500 Euro.

Kaminofen

Der Kaminofen

Jetzt kommt noch der Kaminofen. Auch hier gibt es Abstandsregeln: 20 Zentimeter zur Rückwand und zu Seitenwänden, 65 Zentimeter bei einem Kaminofen mit seitlichen Scheiben, 80 Zentimeter zu brennbaren Gegenständen um die Feuerraumtür. All das muss bei der Überlegung des Standorts berücksichtigt werden.

Kaminöfen bestehen aus einem zumeist durch feuerfeste Steine ausgekleideten Brennraum, einer feuerfesten Scheibe zum Verschließen und einer doppelwandigen Trennkammer. Die modernen Kaminöfen haben eine umweltschonende Verbrennungstechnik.

Die Möglichkeiten der Gestaltung sind groß: Neben frei stehenden Kaminen, die natürlich einen großen Wohnraum benötigen, gibt es Kaminöfen für kleinere Räume. Manche lassen sich sogar drehen, sodass das Feuer je nach Sitzplatz zu genießen ist. Rein optisch gibt es rustikale Öfen aus Marmor, Granit oder Keramik.

Die günstigen Kaminöfen im Baumarkt sind verlockend. Kaminfachhändler dagegen versprechen eine höhere Qualität aufgrund einer effizienteren Verbrennung und der geringen Emissionen. Außerdem sollte der Kamin einfach zu bedienen sein. Kosten für einen hochwertigen Kamin also ab etwa 2.000 Euro beim Fachhändler.

Heizen mit einem Kaminofen

Fazit

Wir haben uns gegen den Einbau eines Kamins entschieden. Der Aufwand und die Kosten waren uns schlicht zu hoch. Bei einem frei stehenden oder wenigstens Reihenendhaus hätte unsere Entscheidung vielleicht anders ausgesehen. Uns war all das zu unsicher. Unser Fazit: Wer einen Kamin nachträglich einbauen möchte, sollte immer mit dem zuständigen Schornsteinfeger gemeinsam planen.

Das Bundes-Immissionsschutzgesetz regelt die Emissionen von Feinstaub und Kohlenmonoxid. Der Grenzwert liegt derzeit bei 150 Milligramm Feinstaub und vier Gramm Kohlenmonoxid pro Kubikmeter Abgas. Neuerungen und damit strengere Werte sind aber schon in Planung. Also: Bitte immer ganz genau beim Schornsteinfeger nachfragen!

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