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Einblasdämmung: Bewährte Dämmtechnik für Bestandsbauten

Es wird Herbst. Vor allem die Nächte werden jetzt schnell sehr kühl. Innen wird wieder geheizt. Damit die Wärme in den Räumen bleibt und nicht durch die Außenwände nach außen entweicht, werden diese gedämmt. Im Neubau ist das heute gesetzlich vorgeschrieben, um den Wärmeverlust von Immobilien und die damit verbundene Heizleistung zu reduzieren. Deshalb ist die Fassadendämmung Teil des Neubauprojekts.

Oft werden Matten aus Mineralwolle oder pflanzlichen Fasern (Holzfaser oder Stroh) auf der Innenschale der Mauer aufgebracht, bevor die Außenschale (z. B. Klinker) zur Versiegelung der Dämmung hochgezogen wird. So entsteht eine Zwischenraumdämmung, die den vorbeschriebenen Ansprüchen gerecht wird. Im Altbau ist die Kerndämmung mit Matten nicht möglich, weswegen alternativ auf eine Einblasdämmung zurückgegriffen wird. Diese Art der Dämmung wird auch als Hohlraumdämmung bezeichnet, weil sie nur funktioniert, wenn ein zweischaliges Mauerwerk mit einem Hohlraum vorhanden ist.

Einblasdämmung – das Prinzip

Das Prinzip der Einblasdämmung ist einfach: Ein Fachmann bohrt Löcher in die Innen- oder Außenschale der Mauer und bläst durch die Löcher loses Dämmmaterial in die Hohlkammern. Danach werden die Löcher fachmännisch verschlossen. Fertig.

Doch der Teufel liegt im Detail, wie die folgenden Ausführungen zeigen.

Genügend breiter Hohlraum

Mit der Einblasdämmung dämmen Sie effizient und günstig jeden Hohlraum in Ihrem Gebäude, der mindestens dreieinhalb Zentimeter breit ist. Dabei gilt die Regel: Je breiter der vorhandene Hohlraum, desto besser die Dämmung und die Energieersparnis.

Häufig finden Sie Angaben über die Breite des Hohlraums im Bauplan Ihres Hauses. Liegt kein Bauplan vor oder ist die Information dort nicht vorhanden, können Sie selbst mit dem Zollstock nachmessen, wenn die Außenfassade beispielsweise an irgendeiner Stelle ein Loch aufweist. Fachleute nutzen zur Messung und gleichzeitigen Kontrolle des Hohlraums und der Innen- oder Außenschale ein Videoendoskop. Bei der Kontrolle wird auch auf den Zustand der Verbindung (sogenannte Anker) der beiden Schalen geachtet. Nach der Prüfung durch den Experten wissen Sie genau, ob Ihr Gebäude für die Einblasdämmung geeignet ist.

Dämmstoffe für die Hohlräume

Bei der Einblasdämmung werden lose Dämmstoffe in die Hohlräume von Dachstuhl, Geschossdecken und/oder Mauerwerk geblasen. Das Dämmmaterial besteht entweder aus Flocken oder Granulat. Bei Granulaten haben Sie die Qual der Wahl: Neben den Materialien EPS (Polystyrol Granulat, auch bekannt als Styropor) und Perlite, einem Dämmstoff aus Vulkangestein, sind viele weniger verbreitete Alternativen am Markt erhältlich. Hierzu zählen Aerogel und Blähglas. Aerogel ist der Einblasdämmstoff mit der geringsten Wärmeleitfähigkeit und damit besten Wärmedämmfähigkeit am Markt. Das Material dringt durch feinste Ritzen und Fugen, was ein Vorteil und zugleich ein Nachteil ist: Denn immer wieder treten feinste Kügelchen in den Wohnraum und nach draußen. Blähglas-Granulat besteht aus Glas und Wasser sowie Zusatzstoffen, sogenannte Füller und ist eher ein Exot bei der Einblasdämmung.

Bei den Flocken-Dämmstoffen ist die Zellulose das am weitesten verbreitete Material. Die Zellulose-Flocken werden zum Beispiel aus alten Zeitungsrückläufern produziert, es handelt sich also um sortenreines Recycling-Material. Das Papier wird zerkleinert und zerfasert und mit Zusatzstoffen für den Brand-, Schimmel- und Insektenschutz angereichert. Sie kennen diesen Zellulose-Brei womöglich noch aus Ihrer Kindheit, als Skulpturen aus Pappmaschee gebastelt wurden. Neben Zellulose kommen Glaswolle, Steinwolle und Holzfaser zum Einsatz.

Während Granulat von oben (zum Beispiel durch Öffnungen im Dachbereich) in die Hohlräume hineingeschüttet wird (dies wird als Schüttdämmung bezeichnet), benötigt der Fachbetrieb bei Zelluloseflocken eine entsprechende Einblasmaschine. Da die Zelluloseflocken gepresst angeliefert werden, muss die Maschine den Dämmstoff zunächst auflockern. Nur so können die Dämmflocken bestmöglich verarbeitet und die volle Dämmwirkung erzielt werden.

Vorbereitungen: Fenster, Türen und Rollladenkästen abdichten

Vor der eigentlichen Einblasdämmung sind einige Vorarbeiten zu erledigen. So muss sichergestellt sein, dass alle Zugänge zum Hohlraum, beispielsweise an Fenstern, Türen und Rollladenkästen, komplett verschlossen werden. Ansonsten kann es zum Austritt der Dämmstoffe kommen. Das ist nicht nur lästig und unschön, sondern führt zur Entstehung von Wärmebrücken, über die die Wärme im Raum schneller an die Außenluft abgegeben wird. Das Verschließen solcher Zugänge kann mit Bauschaum erfolgen.

Fachbetrieb und Energieberater hinzuziehen

Ein Dämmprojekt ist keine Kleinigkeit, weder hinsichtlich der Kosten noch beim Aufwand. Wird die Dämmung nicht 100-prozentig fachgerecht ausgeführt, kann es später zu fatalen Folgen kommen – beispielsweise, wenn Bereiche im Hohlraum unzureichend oder gar nicht gedämmt wurden und dort die bereits erwähnten Wärmebrücken entstehen.

Ziehen Sie deshalb immer einen erfahrenen Experten hinzu. Er untersucht Ihr Gebäude, berät Sie bei der Wahl des Dämmstoffs und garantiert eine fachgerechte Ausführung. Ein zertifizierter Fachbetrieb oder Energieberater kennt die Möglichkeiten einer staatlichen Förderung durch die KfW oder das BAFA.

Ihr Antrag auf
Förderung muss unbedingt vor Beginn der Sanierung gestellt werden!

Die Kosten der Einblasdämmung

Bei Gebäuden mit bereits vorhandenen Hohlräumen oder gleich mit zweischaligem Mauerwerk ist die Einblasdämmung aus Kostensicht nahezu unschlagbar. Natürlich ist der Preis immer vom Dämmmaterial, der Einblasmethode und der zu dämmenden Fläche abhängig. Experten geben hier einen Preis von etwa 15 bis 30 Euro pro Quadratmeter an. Eine typische 130 Quadratmeter große Fassade bei einem Einfamilienhaus kostet damit zwischen 2.000 und 3.900 Euro.

Kalkulieren Sie
unbedingt auch die Kosten zur Vorbereitung der Einblasdämmung! Diese sind aufgrund
der baulichen Umstände so individuell, dass Sie sich ein auf Ihr Haus
zugeschnittenes Angebot unterbreiten lassen sollten. Hier lohnt sich Eigenleistung.

Vor- und Nachteile der Einblasdämmung

Eine Einblasdämmung ist eine schnelle und kostengünstige Methode, um Bestandsbauten mit Außenschale zu dämmen. Hier sind die Vor- und Nachteile der Einblasdämmung noch einmal gegenübergestellt:

VorteileNachteile
Keine Gerüstkosten bei einer EinblasdämmungDämmwirkung wird durch Breite/Höhe des Hohlraums begrenzt
Im Vergleich kostengünstiger als andere Dämm-MaßnahmenDo-it-Yourself kaum möglich
Hohes Einsparpotenzial bei den HeizkostenWärmebrücken können bei unsachgemäßer Ausführung verbleiben
Erhöhung des Wohnkomforts, angenehme Temperaturen im Wohnraum, auch im SommerFeuchtigkeit und Schimmel drohen bei unsachgemäßer Ausführung
Schnelle Durchführung, keine großen baulichen Veränderungen notwendigAustausch der Dämmstoffe, z. B. nach Wasserschaden oder Schimmel ist teuer
Bewährtes Verfahren, große Auswahl an FachbetriebenHoher Aufwand & hohe Kosten für Vorbereitung möglich (abhängig von den baulichen Umständen)
Große Auswahl an möglichen DämmstoffenNachträgliches Öffnen der gedämmten Mauer ist nicht mehr ohne weiteres möglich
Keine Belästigung durch Schmutz oder Staub

Fazit

Möchten Sie im kommenden Winter Energie sparen und es behaglich warm haben, sollten Sie über eine Dämmung der Außenwände nachdenken. Ideal für Bestandsgebäude mit zweiter Außenhaut (z. B. Klinker) ist hier die Hohlraumdämmung. Sie ist leicht und schnell umzusetzen, bringt einen großen Dämmeffekt und wird staatlich gefördert. Aber Achtung: Nicht selbst erledigen, sondern vom Fachbetrieb durchführen lassen!

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